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Schrift Was ist handverlesen?

handverlesen versteht sich als eine mehrsprachige emanzipatorische Literaturinitiative, die Texten mehr Bewegungsfreiheit verschaffen will — in Laut- und Gebärdensprache. Wir fordern ein neues Verständnis von Literatur, das nicht nur schriftliche, sondern auch visuelle, gebärdete Texte einschließt. Die hörende Literaturwelt braucht endlich gebärdensprachliche Poesie und Prosa, sowie eine stärkere Präsenz gehörloser Künstler*innen auf Bühnen und in Büchern. 

Deshalb veranstaltet handverlesen Werkstätten und Veranstaltungen mit gehörlosen und hörenden Autor*innen, Performer*innen und Übersetzer*innen. Wir wollen neue Literatur in Gebärden- und Lautsprache entwickeln und übersetzen. Wir publizieren mehrsprachige Magazine, Filme und Bücher zum Thema und bauen zukünftig eine Online-Bibliothek für Gebärdensprachliteratur auf.

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Schrift Wie bewegt sich ein Text?

Gebärdensprachliche Literatur stellt die traditionelle Definition von Literatur als Text in Frage und findet eine lyrische und erzählende Sprache jenseits von Schrift und Wort. Sie verunsichert die laut- und schriftsprachliche Konventionen der Literaturwissenschaft und des Literaturbetriebs. Auch das traditionelle Buchformat kommt an seine Grenzen. 

Gebärdensprache nutzt kein Notations- oder Schriftsystem. Literatur in Gebärdensprache lässt sich nicht abdrucken: Sie artikuliert sich als körperlich und räumlich gebundene Performance. Als derart bewegter Text kann sie nur per Film festgehalten werden. Also braucht es neue Medien, Veranstaltungsformate und Lesegewohnheiten, die gedruckte und digitale Formen verknüpfen. 

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Schrift Kritisches Übersetzen

Wer zwischen Lautsprache und Gebärdensprache übersetzt, übersetzt auch zwischen Hörenden- und Gehörlosenkultur. Das geschieht nicht auf Augenhöhe, sondern vor dem Hintergrund von Dominanz und Diskriminierung. Es gehört deshalb zu einer kritischen Übersetzungsarbeit, Vorurteile abzubauen und Wissen über Gebärdensprache und Gehörlosengeschichte in der hörenden Gesellschaft zu verbreiten.

Zugleich führen Wege des Übersetzens von Gebärdensprache über den deutschen Sprachraum hinaus: eine gebärdensprachliche Literaturbewegung funktioniert grenzübergreifend und braucht die Vernetzung mit europäischen Partner*innen und Modellprojekten.



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